Ach ja, Apple-Keynote – jedes Mal ein Ereignis. Gespannt hockt man beim Abendessen der schon leicht genervten Freundin gegenüber und gibt sich möglichst interessiert, während man immer wieder verstolen auf den Liveticker schielt, der rechts neben einem auf dem MacBook Pro läuft. Ist es schon so weit? Geht’s schon los? Nein, für den Moment verabschiedet sich erst mal das MacBook mit einem unschönen Geräusch, als der Akku aufgibt und die Festplatte etwas all zu unsanft heruntergefahren wird. Man unterdrückt den inneren Zwang, sofort aufzuspringen, mit dem Laptop zur nächsten Steckdose zu hechten und das Spektakel dort weiter zu verfolgen, hält sich dann aber zum Wohle seiner Beziehung doch noch unter Kontrolle und bleibt sitzen. Wozu auch die ganze Aufregung, ist ja nur… nun ja… die Präsentation des neuen Tablet-Rechners “iPad” von Apple, auf den man seit mittlerweile zwei Jahren wartet. Da kann man natürlich erstmal sitzen bleiben und in Ruhe weiter essen. Es läuft einem ja nichts davon.
Möglichst unauffällig mogelt man das iPhone aus seiner Hosentasche auf den Tisch neben den Teller und versucht auf diesem Weg, den Ausfall des MacBooks möglichst elegant zu überbrücken und den Liveticker auf diesem Weg weiter verfolgen zu können. Man schnappt im Augenwinkel einzelne Informationsfetzen auf – 9,7″ Touchscreen… 10 Stunden Akkulaufzeit… basierend auf dem iPhone OS… perfekt zum surfen… für E-Mails… es folgt eine Präsentation von Videos… verwendbar als eBook-Reader… wow – das klingt gut. Das klingt sogar ausgesprochen gut! Und was kostet der Spaß? Ja Schatz, das ist natürlich sehr schade, klar… oh, ja… hm… einen Preis! Sagt mir einen Preis und wann ich das Teil bestellen kann! Ja, ich saug dann gleich morgen Abend noch mal durch… ja, genau… ja… den Preis, verdammt! hm… einkaufen, ja… können wir ja auch gleich danach noch machen? Zu spät? Ne, ne, das kriegen wir schon hin… es baut sich derweil ein Gefühl auf, nun, ich möchte nicht von einem Fluchtreflex sprechen, nur kommt es dem einfach schon unangenehm nahe. Also fix die Teller in die Spühlmaschine geworfen, das MacBook geschnappt, panisch ins Büro geflüchtet und dort dank Steckdose auch schon wieder online, wo der ebenfalls applebegeisterte Kollege bereits etwas ungeduldig auf Meinungsaustausch per ICQ zur Neuvorstellung wartet und man die restliche Keynote nun fachsimpelnd bis zum Ende verfolgt.
Ob das Ganze die Aufregung wert war? Sicher doch – das macht eine Keynote doch erst so interessant. Der Preis beginnt übrigens bei 499$, “shipping late march” lässt noch etwas Bedenkzeit – Bedenkzeit für eine wirklich gute Begründung der Herzallerliebsten gegenüber, warum man einmal mehr den Gegenwert eines mehrtätigen Urlaubs in einem Fünfsternehotel in noch ein weiteres elektronisches Spielzeug zu investieren gedenkt, dessen Daseinsberechtigung neben iPhone und MacBook für sie noch nicht so ganz endgültig geklärt zu sein scheint…

4. Juni, 2010, 01:56 Uhr
[...] sorgt derweil der sympathische Obsthändler aus dem kalifornischen Cupertino mit einem “magischen” Gerät im (beinahe) A4-Format in den heimischen vier Wänden und darüber hinaus für Unterhaltung. Surfen, E-Mails, [...]