Es gibt ja drei verschiedene Typen von Headsetträgern. Zum einen die beruflichen Headsetträger. Die haben allesamt gemeinsam, dass ein Headset schlicht und ergreifend fester Bestandteil ihres täglichen Handwerkszeugs ist. Ich denke da an die freundlichen Callcenter-Mitarbeiter, die Sonntag Abend um zehn bei mir anrufen und eine Kundenzufriedenheitsumfrage durchführen wollen, an die netten Mitarbeiter jeder beliebigen großen Fastfood-Kette, die über ihren Knopf im Ohr die Bestellung des Autofahrers im Drive-In annehmen, während sie an der Kasse parallel einen anderen Kunden bedienen oder an all jene armen Schweine, die im Customer-Support großer Firmen sitzen und sich Tag für Tag für Dinge rund machen lassen müssen, für die sie eigenlich gar nichts können. Für all diese Menschen ist die Verwendung von Headsets mittlerweile schlicht unumgänglich und damit auch nachvollziehbar.
Dann gibt es da die privaten Headsetträger, die ein Headset nicht so dringend brauchen wie die beruflichen Headsetträger, die sich jedoch den Alltag durch ein Headset einfach ein Stück weit erleichtern. Das naheliegendste Beispiel hierfür sind wohl all diejenigen, die ein Headset verwenden, um während der Fahrt im Auto zu telefonieren und dabei nicht von der Bullerei auf den Sack kriegen wollen. Das ist ebenso nachvollziehbar.
Und dann gibt es da schlussendlich noch eine letzte Gruppe, die… nun ja, Headsetspacken. Wer sich unter diesem Begriff so spontan nichts vorstellen kann, der möge an einem ganz normalen Samstag Nachmittag durchs nächstbeste Einkaufszentrum bummeln. Hier ist meiner Erfahrung nach die höchste Dichte an Headsetspacken zu erwarten. Den gängigen Headsetspacken erkennt man auch ganz leicht auf den ersten Blick: während er in der rechten Hand die Hand seiner Frau/Freundin hält, schiebt er mit der linken Hand den Kinderwagen und hat im wahlweise linken oder rechten Ohr eben auch noch ein Headset, mit dem er eigentlich gar nicht telefoniert, das er aber trotzdem andauernd am Ohr trägt. Den ganzen Samstag, während er mit Frau und Kind durch die Weltgeschichte bummelt. Vermutlich steht er morgens auf, steckt sich das Ding noch vor dem Duschen ins Ohr und nimmt es auch erst Nachts wieder raus, wenn es sich ansonsten während des Schlafens ins Trommelfell bohren würde.
Und da frage ich mich doch: was soll der Mist? Kann mir irgendwer erklären, weshalb man den lieben langen Tag mit so einem Ding am Kopf herumrennen muss? Wohlgemerkt am Wochenende, während man seine Zeit mit Frau und Kind verbringt! Muss man mit Gewalt die Strahlendosis aufrecht halten? Sind Headsetspacken mit zu wenig Strahlung am Kopf nicht lebensfähig? Oder ist es dann doch nichts weiter als der verzweifelte Versuch, irgendwie wichtig wirken zu wollen? Ein Hilfeschrei nach der Aufmerksamkeit, die einem unter der Woche im Berufsleben nicht zuteil wird? Klärt mich auf!

4. März, 2009, 18:03 Uhr
Headsetspacken – wie geil! Womit die Evolutions-Theorie widerlegt wäre, denn was da nach wächst hat mit Sicherheit NICHTS mit Weiterentwicklung zu tun. Und ich für meinen Teil erschrecke auch immer so furchtbar, wenn in den Einkaufstempeln oder den Fußgängerzonen neben mir plötzlich jemand wie aus heiterem Himmel “Hallo Herbert, ich bins! Na?” plärrt …
Dinosaurier – höchst imposante Wesen, mussten aussterben um uns Platz zu machen … versteh’ einer das Universum …
5. März, 2009, 20:21 Uhr
Hmm oder das ist kein Headset, sondern ein Borg-Implantat!!
Sie sind unter uns, Widerstand ist zwecklos…
6. März, 2009, 18:18 Uhr
Ein Borg-Implantat?!
Vielleicht sind die Headsetspacken auch nur vom Leit geplagte Berufsheadsetträger, deren Ohrmuschel nach vielen Stunden Headset tragen schlicht und ergreifend mit dem Headset verwachsen ist. Wäre definitiv ein Fall für Galileo Mystery!
31. März, 2009, 11:23 Uhr
sehr gelungener artikel wie ich finde. Das ist auch der Grund dafür, warum ich mir einfach mal raus genommen habe ihn auf meinem Blog zu verlinken.
Hoffe das stört dich nicht, ansonsten meld dich kurz, dann nehm ich ihn natürlich wieder raus.
gruß, jens
31. März, 2009, 11:42 Uhr
So lang ein Link dabei steht – kein Problem, immer gern.